Lehrertheater am Ramsauergymnasium Linz

H. C. Artmann

KEIN PFEFFER FÜR CZERMAK

Ein Votivsäulchen für das goldene Wiener Gemüt

Mittwoch, 24. 4. 2002 20 Uhr ,

Donnerstag, 25. 4. 2002 20 Uhr

Freitag, 26. 4. 2002 20 Uhr

Samstag, 27. 4. 2002 19 Uhr

ORF Aula des Ramsauergymnasiums Linz

Linz, Ramsauerstraße 94

Personen

Der Greißler Leopold Pickner
Carolin, sein Mündel Andrea Gasser
Der boshaftere Engel Günther Hofer
Der gütigere Engel Norbert Schaller
Ein Vertrauter Manfred Mollnhuber
Ein Pompfüneberer Heinz Nowotny
Der Wassermann Johann Baumgartner
Frau Godl Gertraud Brandenburg
Frau Hungerl Ulli Buzath
Frau Koberin Inez Kykal
Die Blumenfrau Maria Silber

Regie: Peter Rögl

Bühnenbild: Wolfgang Brunner, Christian Frühwirth

Kostüme: Landestheater Linz

Souffleuse: Veronia Récart-Feindert

Beleuchtung: Wilhelm Heilmann, Günter Müller

Ort: ungefähr eine Greißlerei in Heiligenstadt

Zeit: unter einer imaginären Gulden- & Kronenwährung

Bühnenrechte: Deutscher Theaterverlag Weinheim

Platzreservierungen im Sekretariat: Tel. 0732/34 14 24

oder Fax 0732/34 14 24/30 oder E-Mail: schule@bg-rams.ac.at

 

Zum Autor

H.C. Artmanns (12.6.1921 bis 5.12.2000) "poetische Acte", von Freunden und Verlegern ursprünglich als Geheimtipp gesammelt, haben insgesamt ein umfangreiches Gesamtwerk ergeben. Artmann trat zunächst als Mitbegründer und Mitglied der sprachexperimentellen "Wiener Gruppe" in Erscheinung. Ausgedehnte Reisen durch ganz Europa, das Selbststudium zahlreicher Sprachen und seine Wachheit und Offenheit ermöglichten dem "Nur-Hauptschüler" seine Autorenkollegen und eine immer breiter werdende Öffentlichkeit mit moderneren literarischen Strömungen, die durch das Dritte Reich an Deutschland und Österreich vorbeigegangen waren, vertraut zu machen. 1958 erreichte er seine größte Popularität mit dem Gedichtband "med ana schwoazzn dintn", einer Synthese aus schwarzem Humor und Vorstadtmundart.

Unter den zahlreichen Ehrungen und Preisen seien erwähnt:

Der Große Österreichische Staatspreis für Literatur (1974) und der in einer Zeit größter Anfeindungen durch rechtspopulistische Politiker verliehene renommierte Georg-Büchner-Preis für Literatur der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (1997).

Zum Stück: "Kein Pfeffer für Czermak" – ein "Votivsäulchen für das goldene Wiener Gemüt", wie das Stück im Untertitel heißt – ist ein Text, der zunächst einmal Artmanns Freude an der Beobachtung und Wiedergabe differenziertester sprachlicher Äußerungen widerspiegelt. Die Lust an der Sprache überträgt sich auf den Zuschauer, wenn dieser sich darauf einlässt, den Sinn hinter den Wörtern zu hören; er erlebt dann ein ganzes Spektrum menschlicher Verhaltensweisen, die keineswegs auf eine Zeit einer imaginären Gulden- & Kronenwährung beschränkt sind.

"Kein Pfeffer für Czermak" ist ein skurriles, ein böses, ein schwarzes Stück Theater, das durchaus mit Entsetzen Scherz treibt und unversehens auch ins Märchenhafte und Surreale kippt.

Der Zuseher wird sich an der ausbündigen Bösartigkeit des Greißlers Gschweidl ergötzen, ihn wie die anderen Figuren des Stückes beruhigt mit der Etikette "Typisch Wien" wegstecken. Vielleicht aber wird er beim Zuhören – auch das gehört zur Bösartigkeit des Stückes - in sich selbst Züge dieses Greißlers entdecken, Charakterzüge, die das Schlechte in uns allen andeuten – und die wir nur zu gerne nur in anderen sehen.

Damit wird das Stück mehr als eine Beobachtung des "goldenen Wiener Gemütes", es wird zur Analyse des typisch Menschlichen, Allzumenschlichen, vielleicht auch zur Auseinandersetzung mit spezifisch Österreichischem!

Peter Rögl

Zur Sprache

Anglurren mit stechendem Blick anstarren
Ansprechen hier. Vom Heilpraktiker behandeln lassen
Apoplexiederl Verkleinerungsform von Apoplexie (Schlaganfall)
Armitschkerl armes, bedauernswertes, hilfloses Geschöpf
Bakschierlich nett, angenehm
Bankert ursprünglich:uneheliches Kind, hier:ungezogenes Kind
Bettgeherin hier: in Untermiete wohnend
Bürterl Bündel
Da hängt einem der Pure aus ?
Einschichtig werden vereinsamen
Gfrett Ärger
Grätzl kleiner Teil eines Wohnviertels
Guglhupf hier: Narrenhaus
Haderlump Taugenichts
Hascherl armer, bedauernswerter Mensch
Heb dich Schöberl, sonst wirst ein Totschn ?
Kasstecher Kässtecher, Gemischtwarenhändler
Katzelmacher abwertend für Italiener
Kinderverzahrer Kinderverführer
Klebeln Hände
Leichenfledderer jemand, der Leichen beraubt
Magieren markieren - vortäuschen
Mülligschirr Milchgeschirr, hier: Büstenhalter, Korsett
Muraß ?
Ochsenzäun Peitsche aus Ochsenhaut
Odeur Duft, Gestank
Pantscherl eine Liebelei, ein Verhältnis
Patschachter von patschert – unbeholfener, ungeschickter Mensch
Petschiert sein in einer misslichen Lage sein
Pompfüneberer feierlich gekleideter Leichenbegleiter
Rastelbinder(in) umherziehender Kesselflicker
Ringelspielmensch verachtetes Geschöpf
Spompernadel Dummheit, Streich
Strawanzer Herumtreiber
Umispeanzeln hinüberschielen
Vertraute hier: Detektive
Vieraugerter Dachdieb bebriller Gauner